Deinen Zyklus verstehen: der erste Schritt bei Kinderwunsch

In meinen Gesprächen mit Frauen mit Kinderwunsch fällt mir immer wieder derselbe erste Satz auf: "Ich weiß gar nicht, was während meines Zyklus eigentlich genau passiert." Dabei tragen viele von ihnen diesen Zyklus schon seit über zwanzig Jahren in sich, ohne je genau hingeschaut zu haben.
Das ist kein Vorwurf. Uns wurde selten beigebracht, auf den eigenen Körper zu hören. In der Schule lernten wir, wie man verhütet, wenn wir Glück hatten wie Kinder gezeugt werden, aber nicht was während eines Monatszyklus imKöper der Frau passiert und vor Allem nicht wie man den Körper lesen kann. Und wenn der Kinderwunsch da ist, greifen viele Frauen zuerst zum Ovulationstest aus der Drogerie oder gehen zum Frauenarzt. Der wird ihnen dann schon sagen, was zu tun ist. Das tun die Ärzte aber im Normalfall auch nicht. Zumindest habe ich noch von keine Gynäkologen gehört, der den Frauen ihren Zyklus erklärt hätte und ihnen das Temperaturmessen nahegelegt hat. Das hilf also nciht um das Verständnis für den eigenen Körper zu wecken.
Genau da setze ich gerne an. Bevor eine Frau versteht, was medizinisch möglich ist, darf sie erst verstehen, was in ihr selbst geschieht.
Ein Zyklus hat vier Jahreszeiten
Im Ayurveda wird der Zyklus oft mit den Jahreszeiten verglichen, und dieses Bild finde ich bis heute schön, weil es so viel leichter zu merken ist als jede Hormonkurve und zeigt, wie direkt unsere Weiblichkeit mit der Natur verbunden ist.
Die Menstruation ist der Winter. Der Körper zieht sich zurück, er will Ruhe und Wärme. Danach kommt der Frühling, die Follikelphase, in der die Energie langsam zurückkehrt und der Körper sich auf den Eisprung vorbereitet. Der Sommer ist der Eisprung selbst, oft nur ein einziger Tag, an dem der Körper am offensten und fruchtbarsten ist. Rund um diesen Tag spüren die meisten Frauen tatsächlich mehr Energie, sie wollen raus und was erleben, spüren Tatendrang. Und dann kommt der Herbst, die Lutealphase, in der sich alles wieder nach innen wendet, bis die Menstruation den Kreis schließt.
Warum das für den Kinderwunsch so wichtig ist
Das fruchtbare Fenster in einem Zyklus umfasst ungefähr sechs Tage: die fünf Tage vor dem Eisprung und der Tag des Eisprungs selbst. Sechs von durchschnittlich achtundzwanzig Tagen obwohl man die Zahl eigentlich gleich wieder vergessen kann, da jeder Körper seine eigene Zykluslänge hat. Wer diese fruchtbaren Tage kennt und am eigenen Körper erkennt, der hat eigentlich den Geheimcode seines Körpers schon geknackt.
Zwei Zeichen sagen einer Frau sehr viel, ganz ohne Test. Das Zervixsekret verändert sich über den Zyklus: erst trocken, dann cremig, kurz vor dem Eisprung klar und dehnbar, fast wie rohes Eiweiß. Und die Basaltemperatur steigt nach dem Eisprung um etwa zwei bis vier Zehntel Grad und bleibt bis zur nächsten Blutung erhöht. Wer beides über ein paar Monate notiert, lernt sein eigenes Muster kennen, nicht das aus dem Lehrbuch sondern Dein ganz persönliches Zyklusmuster.
In der Schulmedizin wird der Zyklus als ein Vitalzeichen angesehen. Für uns Frauen eins der Vitalzeichen, die sehr viel über unsere Gesundheit aussagen. Wenn unser Zyklus gestört ist dann stimmt etwas nicht im System.
Auch aus ayurvedischer Sicht ist der Zyklus mehr als ein Termin im Kalender. Er hängt am Agni, dem Verdauungsfeuer, und wird von Schlaf und Stress mitbestimmt. Ein Zyklus erzählt viel über den Zustand einer Frau, nicht nur über ihre Fruchtbarkeit an einem Tag im Monat.
Was Du diesen Monat tun kannst
Beginne nicht mit einer App und nicht mit einem Test. Beginne mit einem kleinen Heft. Miss Deine Temperatur jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen, noch bevor Du aufstehst. Notiere daneben, wie sich Dein Zervixsekret anfühlt, und wie Deine Stimmung an diesem Tag ist.
Nach einem Zyklus wirst Du noch wenig erkennen. Nach drei Zyklen zeigt sich ein Muster. Und mit diesem Muster gehst Du anders in jedes Gespräch, auch beim Frauenarzt, weil Du nicht mehr nur Symptome beschreibst, sondern Beobachtungen.
Warum ich das so wichtig finde?
Ich mache diese Arbeit, weil ich immer wieder erlebe, wie sehr es eine Frau verändert, wenn sie ihren eigenen Körper kennt. Viele kommen zu mir, nachdem sie sich beim Thema Kinderwunsch lange ausgeliefert gefühlt haben, den eigenen Zyklustagen ebenso wie den Ärzten. Mein Ziel ist, dass Frauen wieder selbst etwas tun können, mit einem Körper, den sie kennen und dem sie wieder vertrauen. Die Medizin bleibt dabei an ihrer Seite, aber sie können ihr informiert und selbstbestimmt begegnen und kennen ihren Körper.
Wie gut kennst Du Deinen eigenen Zyklus gerade? Fang diese Woche an, ihn zu beobachten, und schau, was er Dir erzählt.


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